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Der Ortsteil Erdmannsweiler

Erdmannsweiler, an der Ostabdachung des mittleren Schwarzwaldes zwischen St. Georgen und Rottweil, etwa elf Kilometer nordöstlich von Villingen gelegen, ist heute mit über 850 Einwohnern der viertgrößte Teilort der Gemeinde Königsfeld. In östlicher Richtung ist ein herrlicher Blick auf die Schwäbische Alb möglich, bei guter Fernsicht erscheinen im Süden die Berge der Schweizer Voralpen.
Die frühe Ortsgeschichte ist eng mit dem Ursprung und der Entwicklung des Klosters St. Georgen verbunden. Ihr verdankt Erdmannsweiler seine erste urkundliche Erwähnung in einer Abschrift aus dem Schenkungsbuch des Klosters St. Georgen. Darin heißt es, dass an einem nicht näher feststellbaren Tag anno 1094 Manegold und Gottschalk dem Kloster schenkungsweise Grund und Boden überließen. Über die Persönlichkeiten und Herkunft der beiden ist uns nichts bekannt. Es ist möglich, dass beide Angehörige einer begüterten, ortsansässigen Familie waren. Doch dafür gibt es keine weiteren Hinweise. Der ursprüngliche Name „Ortinswilere“ oder „Ortinswiler“ steht mit dem Personennamen „Ortwin“ in engem Zusammenhang. Das Wort „vilare“ (Gehöft) ist in der Zeit um 700 nach Chrirstus feststellbar und hat als mittelhochdeutsches Wort „wiler“ Einzug gefunden. Im Hochdeutschen erscheint „wiler“ als Weiler, was so viel bedeutet wie eine kleine Gehöftgruppe. Damit wäre Erdmannsweiler als Weiler des Ortwin zu verstehen. Genaueres ist uns von diesem Ortwin nicht bekannt. Einiges deutet jedoch darauf hin, dass es sich bei ihm um „Ortuni“ gehandelt hat, der im Verbrüderungsbuch des Klosters Reichenau seine Erwähnung fand. Im Jahre 1139 wartet Erdmannsweiler mit weiteren Besitzvergebungen zugunsten, des Klosters auf. Der Edelfreie Burchard und dessen Sohn Hermann schenken in diesem Jahr der Klostergemeinschaft alles, was sie an Feldern, Wiesen und Wäldern in „Ortinswiler“ besitzen. Im Jahre 1324 werden in einer klösterlichen Urkunde fünf kleine Hofbauern in „Erkmannes Wiler“ genannt. Eine weitere Erwähnung des Ortes Erdmannsweiler findet sich in dem 1380 - 1400 angelegten Berain, wo vierzinspflichtige Untertanen in „Erkmanswiler“ genannt werden. Aufgrund der Abhängigkeit und Zugehörigkeit zur Herrschaft Burgberg kam Erdmannsweiler 1472 durch Verkauf an den Grafen Eberhard von Württemberg und war fortan der Hauspolitik der Herzöge von Württemberg unterworfen. Diese Zugehörigkeit dauerte mit nur kurzer Unterbrechung 338 Jahre lang. Während dieser Zeit, genau 1556, nahm Erdmannsweiler den protestantischen Glauben an. Als 1810 Napoleon Europa „neu ordnete“, wurde der Ort badisch. In den Wirren des dreißigjährigen Krieges wurde Erdmannsweiler 1633 überfallen und fast völlig durch Brand zerstört. Abt Gaiser beschreibt diesen Vorfall in seinen Tagebüchern ausführlich.
 
Bis Mitte des 17. Jahrhunderts bildeten die Dörfer Erdmannsweiler, Weiler und Burgberg den Stab Weiler mit Sitz in Weiler. 1851 wurden die drei Gemeinden selbständig. Seit wann genau Schulunterricht in Erdmannsweiler erteilt wurde, lässt sich nicht genau feststellen. Ein Hans Hermann erhält den „Befehl’ von Herzog Friedrich von Württemberg, ein Schul- und Hirtenhaus auf einem Wildfeld zu bauen. In der Amtszeit von Bürgermeister Philipp Burgbacher entschließt sich die Gemeinde zum Bau eines Rat- und Schulhauses, das 1876 feierlich eingeweiht wurde. Am 8. September 1962 ziehen Kinder und Lehrer in das neu erbaute Schulhaus ein. Bereits zehn Jahre später lösen die Gemeinden Erdmannsweiler, Burgberg und Weiler ihre Schulen auf und schließen sich zu einem Schulverband, mit Sitz in Burgberg, zusammen. 1887 kauften die Gemeinden Burgberg und Erdmannweiler von Mathias Götz ein Gelände für den gemeinsamen Friedhof. In Eigenarbeit erstellten engagierte Bürger beider Gemeinden eine Friedhofskapelle, die 1976 feierlich ihrer Bestimmung übergeben wurde.
Im Zuge der Gemeindereform wurde Erdmannsweiler 1974 nach Königsfeld eingemeindet. Das altehrwürdige Rathaus wurde in den Jahren 2004 bis 2006 in wesentlichen Teilen saniert und unter Mithilfe engagierter Helfer, die in Eigenleistungen den Gegenwert von rund 100.000 € erbrachten, zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgestaltet. Die Erschließung eines Neubaugebietes machte den Bau eines Kindergartens dringend notwendig. Dank der Gründung eines Fördervereins und der tatkräftigen Unterstützung durch Eltern, konnte der Bau des Kindergartens 1990 realisiert werden.  Mit dem Neubaugebiet „Ober Bühl“ wurde die ökologische Leitlinie der Gemeinde schon bei der Erschließung umgesetzt und beispielhaft das Oberflächenwasser durch offene Gräben einer Sickergrube zugeführt. Offenheit und Individualismus zeigen sich durch unterschiedlichste Bauformen und Anordnungen der Häuser, die dem interessierten Betrachter immer wieder neue Blickwinkel erschließen. Auch das neue Gewerbegebiet „Hermelesäcker“ folgte den ökologischen Vorgaben und fördert die Entwicklung von Erdmannsweiler nicht nur hinsichtlich von Arbeitsplätzen im Ort. Genauso wird dies für die Erweiterung des Gewerbegebiets „Bildstockäcker“ gelten, das für ein positives zukünftiges Wachstum stehen soll.
 
1994 wurde Erdmannsweiler 900 Jahre alt. Dieses Jubiläum wurde lange und gründlich von der extra gegründeten Arbeitsgemeinschaft, die sich aus Mitgliedern aller Erdmannsweiler Vereine wie Radfahrerverein, Feuerwehr, Tennisclub und Kindergartenförderverein bildeten, vorbereitet. Bereits im Vorfeld wurde heftig gefeiert. Alte Bräuche wie das „Funkefir“ wurden neu belebt, mit kleineren Festen wie dem Setzen des Maibaums, dem Backhausfest oder dem Nikolausmarkt wurde das große Fest vorbereitet. Vom 12. bis 15. August 1994 fanden die Festtage statt. Höhepunkt war ein über zwei Stunden dauernder historischer Umzug, bei dem über sechstausend begeisterte Zuschauer die Straßen säumten. Während der Vorbereitungen entwickelte sich ein bis dahin nicht gekannter Gemeinschaftssinn, weshalb auch heute noch der Nikolausmarkt, das „Funkefir“ oder das Maibaumsetzen zu festen Terminen im Kalender von Erdmannsweiler gehören. Zudem erhielt auch Erdmannsweiler im Jahr 1994 die Ortschaftsverfassung und wählt seitdem seinen eigenen Ortschaftsrat.
Und manchmal, aber nur manchmal, taucht wie aus dem Nichts plötzlich ein „Erdmännle“ auf. Dieses Männchen war das ganze Jahr über nie zu sehen, aber zur Fastnachtszeit erscheint es plötzlich rudelweise, verteilte Erdnüsse, erfreute die Mitmenschen und verschwindet wieder genauso geheimnisvoll, wie es gekommen war.

Axel Strecker (†), Heinz Breithaupt, Jörg Polkowski
 


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