In memoriam Rhena Schweitzer-Miller
* 14. Januar 1919 † 22. Februar 2009
Am 22. Februar 2009 verstarb Rhena Schweitzer-Miller, die Tochter von Albert und Helene Schweitzer. Zuletzt lebte sie bei ihrer zweitältesten Tochter Christiane Engel in Kalifornien.
Es war Rhenas Schicksal, immer „die Tochter“ zu sein. Dabei muss man wissen, dass Rhena Schweitzers Wirken für die Entwicklung und Erhaltung des Hospitals in Lambarene ebenso verdienstvoll war wie die Arbeit ihrer Mutter Helene. Der großartige Einsatz von Helene Schweitzer-Bresslau beim Aufbau des Hospitals in Andende soll damit in keiner Weise geschmälert werden. Es war immer Wunsch und Ehrgeiz von Rhena gewesen, mehr von und mit ihrem Vater, den sie ja immer nur bei seinen kurzen Europaaufenthalten erlebte, zu erfahren und mit ihm zu arbeiten.
Rhena Schweitzer war 1923 als vierjähriges Kind nach Königsfeld gekommen, als Albert Schweitzer dort das Haus für seine Familie bauen ließ. Rhena wuchs hier auf und teilte mit der Mutter das tragische Schicksal der langzeitigen Trennung vom Vater, der seinen Arbeitsplatz Tausende von Kilometern entfernt hatte. Man muss sich das vorstellen, eine Reise dorthin dauerte damals drei bis vier Wochen, und auf eine Frage per Brief hatte man bestenfalls nach sechs bis sieben Wochen eine Antwort.
Bis zu ihrem 15. Lebensjahr besuchte Rhena die örtlichen Schulen der Brüdergemeine. Dabei genoss sie besonders die Zeiten, wenn ihre Mutter verreist oder zur Kur abwesend war, weil sie dann bei ihren Klassenkameradinnen im Internat im Schwesternhaus sein durfte. 1933 zog Helene Schweitzer mit Rhena in die Schweiz, wo Rhena ihren Schulabschluss in Lausanne machte.
Mit ihrem Ehemann Jean Eckert, einem Orgelbauer aus Frankreich, hatte Rhena vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn. 1940 lebte die junge Familie in Paris, wo auch die älteste Tochter Monique, die in Königsfeld bekannte Frau Egli, geboren wurde. Helene Schweitzer war ebenfalls bei ihnen.
Als die deutschen Truppen Frankreich besetzten, reiste die Familie in die Schweiz. Von dort gelangte Helene Schweitzer unter großen Schwierigkeiten nach Lambarene zu ihrem Mann. Rhena ließ sich, im Hinblick auf eine spätere Mitarbeit im Hospital Lambarene, als Medizinisch-Technische Assistentin ausbilden. Als schließlich ihre Kinder herangewachsen waren, wenn auch noch nicht selbständig, konnte sie sich den Traum von der Arbeit in Lambarene erfüllen. Sie hatte sich inzwischen von ihrem Mann getrennt.
Für das Albert Schweitzer-Hospital war die Mitarbeit von Rhena eine große Qualitätsverbesserung. Bis dahin hatte die Diagnostik im Hospital auf dem immensen Wissen und der unglaublich großen Erfahrung Albert Schweitzers beruht. Rhena brachte dem Hospital nicht nur ihr Können, sondern auch die Entwicklung eines medizin-technischen Laboratoriums ein, das es bisher dort noch nicht gab. Das war ein ganz entscheidender Fortschritt für die Diagnosestellung und die Therapiekontrolle. Über zehn Jahre hat Rhena insgesamt im Hospital gearbeitet.
Als sich Albert Schweitzer im hohen Alter aus der praktischen Arbeit zurückzog, hatte er dann in Rhena eine gut eingearbeitete Mitarbeiterin in der Leitung. Mit Schweitzers Tod fiel die Last der Verantwortung dann auf ihre Schultern. Zwar hatte sich Schweitzer schon um einen Nachfolger bemüht, auch waren junge Ärzte da, aber bis alles in seinen geordneten Gang kam, war es eine schwere Zeit für das ganze Hospital. Es hatte seinen Mittelpunkt und sein geistiges Haupt verloren.
Darum war es für die gesamte Einrichtung von großer Bedeutung, dass ein integriertes Familienmitglied der Schweitzers in diesem Moment da war, um das Steuer – soweit es Rhena möglich war – in der Hand zu halten. Es kamen gute Nachfolger. Dennoch war die Zeit bis zur Gründung einer Stiftung und dem Neubau des Hospitals 1971 – 1975 ein steter Kampf um die Erhaltung des Hospitalbetriebes.
Rhena Schweitzer hat noch einmal geheiratet, und zwar den amerikanischen Kardiologen David Miller, der bei der Weltgesundheitsorganisation der UN arbeitete. Mit ihm ist sie in vielen Teilen der Welt mit humanitären Aufgaben tätig gewesen. Dennoch blieb ihr das Hospital in Lambarene eine wichtige Herzenssache. Mit Wort und Tat hat sie sich auf vielen Reisen zwischen Amerika, Lambarene und Europa dafür eingesetzt und verdient gemacht.
Dr. Peter Munk

