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HELENE UND ALBERT SCHWEITZER

Helene Schweitzer "Lebenslauf" (1954)


"In Berlin geboren, aber elfjährig durch Berufung meines Vaters an die Strassburger Universität (1890) ins Elsass gekommen, bin ich dort aufgewachsen und habe im Heranreifen die Berührung zweier Kulturen, die Ausbildungsmöglichkeiten in zwei Sprachen und alles dadurch Gebotene im vollen Bewusstsein der damit gegebenen Bereicherung erlebt.
Auf Empfehlung der Leiterin der von mir besuchten Schule und des angeschlossenen Seminars konnte ich mit 17 Jahren die Prüfung als Lehrerin für Höhere Mädchenschule bestehen und danach meine Musikstudien, die in der Schul- und Seminarperiode aus Zeitmangel auf Klavier in Privatstunden beschränkt waren, am Strassburger Konservatorium fortsetzen und durch Gesang und Theorie erweitern.

Meine Jugend fiel in die Zeit der Frauenbewegung, die an der Strassburger Universität die Zulassung der Frauen zu den Vorlesungen bei den damit einverstandenen Dozenten schon auf Grund des Lehrerinnenexamens mit sich brachten.
Ein mit meinen Eltern in Italien verlebter Winter begeisterte für bildende Kunst und weckte den Wunsch, die dort durch Anschauung gewonnenen Kenntnisse in 5 Semestern kunstgeschichtlicher Kollegien zu vervollständigen und zu vertiefen.
Daneben liefen die für eine Frau unerlässlichen Hausarbeiten sowie diverse Kurse in Nähen, Schneidern und Krankenpflege.

Eine Fügung brachte mich in Berührung mit der damals neu aufgebauten sozialen Arbeit, in der ich in der Strassburger Stadtverwaltung 4 Jahre lang als städtische Waisen-Inspektorin tätig sein und in dieser Zeit (1907) die Gründung des dortigen Mütterheimes verwirklichen durfte.
Als im Elsass das staatliche Examen für Krankenpflege eingeführt wurde, nahm ich dieselbe zwecks gründlicherer Erlernung wieder auf und trat als Schülerin in das Frankfurter Seminar des evangelischen Diakonie-Vereins ein, wo ich die Ausbildung vollendete und die Prüfung ablegte.
Nach meiner Verheiratung mit Dr. Albert Schweitzer fuhren wir 1913 nach Lambarene, einer Missionsstation in Aequatorial-Afrika, da wir von Missionaren gehört hatten, dass dort ein Arzt dringend nötig sei. Wie wir unser Spital aufbauten und dort arbeiteten, schildert mein Mann in seinem Buch "Zwischen Wasser und Urwald".

Das Spital ist seither sehr gewachsen (45 Bauten), so dass es auf ein grösseres Terrain 3 km stromaufwärts verlegt werden musste, und 2 bis 3 europäische Ärzte, sowie 6 bis 8 ebensolche Pflegerinnen neben dem schwarzen, von uns ausgebildeten Personal uns dort zur Seite stehen.
Gegen Ende diesen Jahres (1954) gedenken mein Mann und ich wieder dorthin zurück zu kehren."



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